Lügentochter

Davor und danach. Davor lebt Piper mit ihren zahlreichen Geschwistern und zwei Tanten auf einem stillgelegten Areal eines alten Freizeitparks irgendwo in Kalifornien. Ihr Vater ist der Anführer einer Sekte. Seine Regeln müssen jederzeit Lügentochter befolgt werden, seine krude Weltanschauung (Verschwörung der Regierung, ein Atomkrieg steht kurz bevor, konservativ-hierarchisches Denken) bestimmt das Leben der Familie und darf nicht hinterfragt werden. Danach lebt Piper bei einer Frau, die behauptet, sie vor ihren Eltern beschützen zu müssen. Dies kann natürlich nur eine Lüge sein. Auch der Besuch eines Therapeuten ändert da vorerst nichts an Pipers Meinung. Es kann nur ihr Ziel sein, von dieser Frau zu fliehen. Ganz langsam kommen ihr jedoch Zweifel. Den eigenen Gefühlen zu trauen, fällt schwer, wenn jahrelang alles dafür getan wurde, diese zu unterdrücken. Peterson entwirft eine Konstruktion, bei der zwar von Anfang an das perfide und manipulative Verhalten der Eltern deutlich wird, Ich-Erzählerin Piper (und Lesende) sich im Danach aber nie sicher sein können, was an Pipers Erinnerungen wahr ist und womit sie sich vielleicht selbst schützt. Wer lügt hier? Im Originaltitel "The Liar's Daughter" ist der Vater der Lügner … Aber wie schafft man es, sich von jemanden zu distanzieren, dem man bedingungslos vertraut (hat)? Als sich das Davor und das Danach zu einer Geschichte zusammenfügen, kann man es kaum glauben. Wirklich dichte Spannung, kleine, mutige Liebesgeschichte und die Offenlegung emotionaler Abhängigkeiten. Gerne empfohlen für jugendliche Leser/-innen aber auch für Erwachsene.

Anna Winkler-Benders

Anna Winkler-Benders

rezensiert für den Borromäusverein.

Lügentochter

Lügentochter

Megan Cooley Peterson ; aus dem Englischen von Sandra Knuffinke und [einer weiteren]
magellan (2021)

319 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 603319
ISBN 978-3-7348-5051-6
9783734850516
ca. 17,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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