Searching Lucy

Meistens finden sich der oder die Täter/-innen im Umkreis der Opfer, ist die Erfahrung vieler Kriminalisten. Deshalb sucht Amber nun mit allen Mitteln genau dort nach ihrer verschwundenen Zwillingsschwester Lucy und ihrem Vater. Sie Searching Lucy ist sich sicher, dass sie noch leben. Sie bricht in Häuser von Lehrern, Nachbarn und Mitschülern ein, wird trotz raffiniertem Apptrackings der Verdächtigen mehr als einmal von Heimkehrer/-innen überrascht und lässt trotzdem nicht locker. Auch und gerade weil ihre Mutter so gar nicht mit der schmerzhaften Situation klar kommt und Amber auch noch für den Haushalt und den kleinen Bruder sorgen muss. Unterstützung erhält sie allenfalls von Jamie. Der zählt zwar eigentlich auch zum Kreis der Verdächtigen und ist in der Schule ein Außenseiter, stellt sich dann aber als einfühlsamer (Sex-) Partner heraus. Allerdings bleibt sein Handeln doch lange sehr mysteriös … - Christina Stein mutet ihren Figuren einiges zu und schafft ein komplexes Setting in kleinstädtischer Atmosphäre. Der Fall ist spannend, allerdings hat sie den Hang zur pathetischen Sprache: "Als er die Augen wieder öffnet, stehe ich schon so nah, dass sich unsere Nasenspitzen berühren. Erst danach treffen sich unsere Münder. Seine Lippen schmecken nach Winter, Eissternen und Weihnachten. Ein wenig nach Hoffnung. Weil wir uns in dieser weißen Nacht gefunden haben." Dann wiederum nehmen die Figuren kein Blatt vor den Mund. Das macht die Dialoge manchmal ganz schön rough, aber auch authentisch.

Anna Winkler-Benders

Anna Winkler-Benders

rezensiert für den Borromäusverein.

Searching Lucy

Searching Lucy

Christina Stein
Sauerländer (2021)

284 Seiten
kt.

MedienNr.: 601294
ISBN 978-3-7373-5712-8
9783737357128
ca. 13,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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