Die Freuden des Teufels

Als Danuta eines Tages im litauischen Schtetl auftaucht, weiß sie nicht, wie der jüdische Großvater ihres kleinen Sohnes Jósef sie, die katholische Weißrussin, aufnehmen würde. Doch Efraim Dudak verjagt sie nicht, sondern freut Die Freuden des Teufels sich über seinen ersten Enkel, den er flugs beschneiden lässt und fortan Jakob nennt. Jakob wächst auf dem jüdischen Friedhof auf, wo sein Großvater Steinmetz ist und dem er bald selbst als Totengräber zur Hand geht. - Jósef, Juzik, Jakob, drei Namen für dieselbe Person. Darin spiegelt sich die schicksalhafte Verwicklung, in der sich die Protagonisten befinden. Im Nachwort ordnet der Journalist Karl-Markus Gauss die Situation Litauens geschichtlich ein: Im Sommer 1940 hatte die Rote Armee Litauen besetzt. Als im Juni 1941 Hitler die Sowjetunion überfällt, den einstigen Bündnispartner, sehen sich die vor den Russen geflüchteten, wohlhabenderen Litauer zurück ins Recht gesetzt und massakrieren nun willfährig die der Kollaboration verdächtigen Juden. - Atmosphärisch dicht erzählt der 1929 in einem litauischen Schtetl geborene Autor Grigori Kanowitsch von einem eng gewobenen Menschenkosmos, deren Idylle ins Grauen kippt, als die Nazis näher rücken. Die schrecklichen Dinge werden indes meist nur angedeutet. Der ruhig und ohne Ressentiment erzählte Roman ist gut lesbar und kann ab mittleren Beständen empfohlen werden. (Übers.: Franziska Zwerg)

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Freuden des Teufels

Die Freuden des Teufels

Grigori Kanowitsch
Corso (2017)

221 S.
fest geb.

MedienNr.: 589572
ISBN 978-3-7374-0736-6
9783737407366
ca. 4,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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