Tilda und der Duft der Welt

Tildas Eltern sind getrennt, und das schon eine ganze Weile. Anfangs durften ihr kleiner Bruder Hans und sie den Papa noch regelmäßig besuchen. Wenn die Kinder bei Papa waren, war es immer ganz anders als bei Mama zu Hause: Fernsehen Tilda und der Duft der Welt wann man wollte, nicht duschen, Pfannkuchen essen und Cola trinken. Doch Mama gewinnt dadurch den Eindruck, dass der Papa sich nicht gut genug kümmert - und setzt durch, dass die Besuchswochenenden eingestellt werden. Der Trennungsschmerz wird sowohl für die beiden Kinder als auch für den Vater unerträglich und wirft das Leben von allen gründlich aus der Bahn. Die kleine Tilda berichtet sehr einfühlsam und emotional von dem regelrechten Kleinkrieg, den die Eltern um die Kinder führen. Sie drückt mithilfe von Sinneseindrücken, hauptsächlich durch Geruchsbeschreibungen aus, was sie fühlt: gute Gerüche bedeuten, dass sie sich wohl fühlt und glücklich ist, schlechte Gerüche drücken aus, dass sie traurig oder sogar wütend ist. Durch Tildas Erzählungen wird deutlich, dass nicht nur die Kinder auf der Strecke bleiben, auch die Eltern, hier besonders der Vater, verlieren sich selbst nach der Scheidung. Die farbigen Zeichnungen sind lebensecht und greifen das Geschehen im Text auf, mehr noch, sie verstärken und unterstützen den Text. - Die Autorin legt ein berührendes Kinderbuch zu einem schmerzlichen und schwierigen Thema vor, das sowohl Kinder als auch Erwachsene zum Nachdenken anregen wird. Die Sehnsucht nach einer heilen Familie werden auch Kinder aus intakten Familien nachfühlen können. Kinder sollten begleitet werden beim Lesen des Buches. Sehr gerne empfohlen, aufgrund der Zeitlosigkeit des Themas eine Bereicherung für jeden Bestand.

Nadine Fitzke

Nadine Fitzke

rezensiert für den Borromäusverein.

Tilda und der Duft der Welt

Tilda und der Duft der Welt

Karin Koch. Mit Ill. von Iris Wolfermann
Hammer (2015)

46 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.

MedienNr.: 580511
ISBN 978-3-7795-0516-7
9783779505167
ca. 9,90 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 8
Systematik: K
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