Rache der Verlierer

Der Historiker Florian Huber zeigt anhand der von Chaos, Unsicherheit und Gewalt überschatteten Ereignisse am Endes des Ersten Weltkriegs und in den Anfangsjahren der Weimarer Republik, wie von nationalistischem Gedankengut durchdrungene Rache der Verlierer Männer, die sich - durch die Niederlage im Krieg ihrer einzigen Qualifikation, dem Beruf als Soldat, beraubt - als absolute Verlierer in der jungen Republik sahen, alles daransetzten, den demokratischen Staat und seine Amtsträger zu vernichten. Damit macht der Autor deutlich, dass nationalistische Umtriebe nicht erst mit dem Nationalsozialismus begannen, sondern dass ab Ende 1918 ein ausgeklügeltes Netzwerk aus Gleichgesinnten existierte, das von den Sicherheitsbehörden nicht erkannt bzw. stillschweigend ignoriert wurde. Weiter verweist er darauf, dass dieses abstruse Denkkonstrukt auch nach nicht 1945 verschwand. In seinen detaillierten Ausführungen konzentriert sich Huber auf die wichtigsten Drahtzieher und deren Helfer, die sich in Freikorps (Ehrhardt, Kapp) und der geheimen "Organisation Consul" zusammenschlossen und als "letzte Deutsche" den demokratischen Staat beseitigen wollten. Präzise analysiert Huber die Gedankenwelt der Terroristen und verfolgt akribisch deren Planung und Vorgehensweise bei der Beseitigung hochrangiger Politiker (1921 Matthias Erzberger, 1922 Walther Rathenau), die sie für die Kriegsniederlage und den Versailler Vertrag verantwortlich machten. Die enorme Zahl politisch motivierter Morde erschütterte das Vertrauen der Bevölkerung in die Republik und ließ den Ruf nach autoritärer Führung lauter werden. - Historisch interessierten Leser/-innen sehr zu empfehlen!

Inge Hagen

Inge Hagen

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Rache der Verlierer

Rache der Verlierer

Florian Huber
Berlin Verlag (2020)

286 Seiten : Illustrationen
fest geb.

MedienNr.: 966896
ISBN 978-3-8270-1412-2
9783827014122
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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