Der Henker von Paris

Im Zentrum des historisch zuverlässigen, packend erzählten Romans des Schweizer Autors steht Charles-Henri Sanson (1739-1806), der sein Amt vor und während der Französischen Revolution ausübte, und damit in einer Epoche, in der mit der Erfindung Der Henker von Paris der Guillotine ein erster Schritt zur massenhaften, pikanterweise als human und demokratisch deklarierten Tötung von Menschen beschritten wurde. Mehr als 3000 Hinrichtungen mit dieser revolutionären Tötungsmaschine musste er durchführen, und viele weitere mit dem Strang, dem Schwert oder anderen Methoden. Vor allem die äußerst detaillierte, im nüchternen Berichtstil gehaltene Beschreibung der barbarischen Folterung und Hinrichtung des Königsattentäters Robert-Francois Damien über mehr als 20 Seiten hinweg macht den Roman zu einer ausgesprochen belastenden, wenn auch aufschlussreichen Lektüre, ermöglicht bzw. erzwingt er doch einen authentischen Blick auf einen verfemten Berufsstand, sein Selbstverständnis, seine gesellschaftliche Bedeutung und vor allem auf die unglaublichen psychischen Belastungen, denen er ausgesetzt war. Der Roman thematisiert an diesem Segment staatlicher Gewaltausübung auch die erstaunlichen Rechtfertigungsstrategien des gesellschaftlich vermittelten Tötens, ferner die menschliche Sensationsgier und perverse Lust am Töten bzw. am genussreichen Miterleben von scheinbar legitimierter Bestrafung. Ein erschreckendes Buch über die dunklen Seiten der menschlichen Natur, das man sicher nicht jedem Leser zumuten kann.

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der Henker von Paris

Der Henker von Paris

Claude Cueni
Lenos (2013)

391 S.
fest geb.

MedienNr.: 378641
ISBN 978-3-85787-433-8
9783857874338
ca. 22,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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