Schmerzliche Heimat

Die Autorin dieses Buches erlangte mit ihrer eindrucksvollen persönlichen Rede während der im Februar 2012 von der Spitze des Staates organisierten Gedenkveranstaltung für die Opfer der NSU-Morde große mediale Aufmerksamkeit. Elf Schmerzliche Heimat Jahre zuvor, als 14-jährige, musste sie erleben, wie der erste Mord dieser Rassisten der Erfolgsgeschichte ihres Vaters, der sich integrationswillig vom einfachen, aus der Türkei zugewanderten Arbeiter zu einem Blumengroßhändler hochgearbeitet hatte, jäh beendete und ihr der geliebte Vater geraubt wurde. Bekanntlich liefen die Ermittlungen der Behörden fast ein Jahrzehnt trotz etlicher weiterer Morde völlig ins Leere. Statt die Täter in der rechtsradikalen Szene zu suchen, wurde ihr Vater über Jahre verdächtigt, Teil eines Drogenrings zu sein und ihre Familie wurde mit abenteuerlichen Vermutungen und kaum zu glaubenden Verhörmethoden konfrontiert. Trotz ihrer persönlichen Betroffenheit berichtet Simsek dies alles reflektiert, nicht anklagend und ohne den Vater zu einem makellosen Helden zu stilisieren. Dass sich dadurch dennoch ihr Verhältnis zur deutschen Heimat verändert hat, ist eine fast zwangsläufige Konsequenz. Der Journalist und Co-Autor Peter Schwarz steuert immer wieder Einblicke in die Ermittlungsakten zum Mordfall bei. - Ein zutiefst betroffen machendes, ungeheuer wichtiges Buch, das unbedingte Aufmerksamkeit und einen breitesten Leserkreis verdient. Außerdem Pflicht- und Therapielektüre für alle, die immer noch den kruden Thesen eines Thilo Sarrazins von der Abschaffung Deutschlands anhängen!

Siegfried Schmidt

Siegfried Schmidt

rezensiert für den Borromäusverein.

Schmerzliche Heimat

Schmerzliche Heimat

Semiya Simsek mit Peter Schwarz
Rowohlt Berlin (2013)

269 S.
fest geb.

MedienNr.: 377238
ISBN 978-3-87134-480-0
9783871344800
ca. 18,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So, Bi
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