Radikal gerecht

Ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Höhe des jeweils von der Politik zu bestimmenden Existenzminimums für jeden deutschen Bürger fordert der bekannte Hamburger Professor für Volkswirtschaft. Noch wird er - trotz zunehmender Radikal gerecht Akzeptanz auch bei Managern großer Unternehmen - mit dieser Forderung auf große Vorbehalte stoßen. Insbesondere die Finanzierbarkeit und die Bereitschaft, trotz Grundeinkommen eine Arbeit aufzunehmen, werden bezweifelt. Andererseits gibt es schwerwiegende Argumente für dieses Konzept, die der Autor auf überzeugende Weise und in aller Ausführlichkeit (auch unter Einbeziehung konkreter Modellrechnungen und zahlreicher Fallbeispiele) darstellt. Seine "Vision" wird nach seiner Ansicht zur gesellschaftlichen Notwendigkeit durch die signifikante Veränderung unserer Arbeitsgesellschaft, genauer durch Digitalisierung, die den Menschen immer mehr Arbeit abnimmt, und durch die demografische Entwicklung, die den Sozialstaat vor unlösbare Finanzierungsprobleme stellt, sofern er sich nur aus Arbeitseinkommen finanziert. Das von Straubhaar vorgeschlagene Modell ist im Kern nichts anderes als eine "fundamentale Steuerreform" (S. 14), die alle Einkommensarten heranzieht, die jeden nach seinem Vermögen (also auch die Besitzer der Roboter etc.) belastet, die deshalb einer drohenden Spaltung der Gesellschaft entgegenwirkt und die nicht wesentlich teurer ist als unser bisheriges Sozialstaatsmodell, weil alle heute bestehenden sozialpolitischen Transfers wegfallen. - Mit Sicherheit ein sehr ernst zu nehmender Diskussionsbeitrag zu einem hochaktuellen Thema.

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Radikal gerecht

Radikal gerecht

Thomas Straubhaar
Ed. Körber-Stiftung (2017)

247 S. : graph. Darst.
fest geb.

MedienNr.: 588990
ISBN 978-3-89684-194-0
9783896841940
ca. 17,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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