Bösland

Auf dem Dachboden des elterlichen Hofes findet der junge Ben, Protagonist und Ich-Erzähler, seinen Vater tot auf. Der Dachboden war das "Bösland", dort hat ihn sein Vater jahrelang gequält; dort verbrachte er viel Zeit Bösland mit seinem einzigen Freund, mit bösen bzw. verbotenen Dingen, und dort wurde auch seine Jugendliebe unglaublich brutal erschlagen; scheinbar von ihm, er weiß es nicht. Nach Jahren in der Psychiatrie gelingt es ihm, ein weitgehend normales Leben zu führen, bis er eine alte Filmaufnahme findet, die zeigt, was mit seiner Jugendliebe wirklich geschehen ist. Ben sucht den Mörder, nämlich den früheren Freund auf, wohl in der Hoffnung, dass dieser sich mit ihm gemeinsam der Vergangenheit stellen würde, seine Schuld, auch an ihm, erkennen und irgendwie wiedergutmachen würde. - Durch die sehr kurzen Kapitel, durch den Wechsel zwischen reiner Dialogform und Rückblenden wirkt der Roman enorm temporeich. Zu Beginn liest man durchaus gespannt von diesem einsamen, körperlich und seelisch leidenden Jungen, von dem jungen Mann, der Angst vor sich selbst hat und seinem Trauma Mithilfe einer Psychologin auf den Grund gehen will. Umso enttäuschender gestaltet sich der weitere Verlauf: Der sich selbst als unfassbar naiv reflektierende Ben, der superreiche, skrupellose, grausame Freund mit seiner wunderschönen, von ihm völlig abhängigen thailändischen Frau, die dann auch noch Bens Liebe erwidert ... die Figuren erstarren zu Klischees. Immer wieder werden Emotionen geweckt und Spannung aufgebaut, die sich im Nichts verlieren. Insgesamt ein mir wenig überzeugend scheinender Thriller, der aber flott lesbar ist und sicher gern ausgeliehen wird.

Barbara Nüsgen-Schäfer

Barbara Nüsgen-Schäfer

rezensiert für den Borromäusverein.

Bösland

Bösland

Bernhard Aichner
btb (2018)

445 S.
fest geb.

MedienNr.: 594950
ISBN 978-3-442-75638-4
9783442756384
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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