Ein wenig Leben

Auf dem College begegnet der Jurastudent Jude St. Francis den angehenden Künstlern Willem (Schauspieler), JB (Maler) und Malcolm (Architekt). Die vier Studenten verstehen sich, obwohl sie aus unterschiedlichen Gesellschaftskreisen Ein wenig Leben kommen, auf Anhieb großartig und bauen eine Freundschaft auf, die nicht immer komplikationslos verläuft, aber ein Leben lang halten wird. Der hochintelligente Jude steht im Mittelpunkt dieser Clique. Durch unvorstellbar grausame sexuelle Misshandlungen, die er bis zu seinem 15. Lebensjahr erleiden musste, ist er an Leib und Seele schwer geschädigt und kann kaum jemals glauben, wie sehr ihn seine Freunde lieben - vor allem Willem, mit dem er viele Jahre später eine Beziehung eingehen wird. Seine körperlichen Verletzungen verhindern, dass er ein normales, schmerzfreies Leben führen kann, seine seelischen Beschädigungen führen dazu, dass er sich zwanghaft weiter selbst verletzt. Seine traumatischen Erlebnisse und das Ausmaß seiner Beschädigung enthüllt die Autorin ihren Lesern in wohldosierten Etappen, aber dennoch ist das Beschriebene kaum zu ertragen. Aber die auf mehrere Jahrzehnte angelegte, mit großer Ruhe und Sorgfalt erzählte Geschichte ist nicht nur düster, sondern in ihren vielen hellen Momenten so aufrichtig berührend, dass man wünschte, zu dieser verschworenen Gemeinschaft zu gehören. Selten habe ich ein Buch gelesen, von dem eine derart wuchtige Emotionalität ausgeht und ich würde es gerne jedem Leser uneingeschränkt empfehlen, möchte aber die drastischen Misshandlungsszenen nicht unterschlagen. In jedem Fall verdient der herausragende Roman in jeder Bücherei einen Platz.

Susanne Steufmehl

Susanne Steufmehl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Ein wenig Leben

Ein wenig Leben

Hanya Yanagihara
Hanser Berlin (2017)

960 S.
fest geb.

MedienNr.: 843550
ISBN 978-3-446-25471-8
9783446254718
ca. 28,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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