Der namenlose Tag

Der vielfach preisgekrönte Autor, bekannt durch seine Jugendromane, mehrere Drehbücher, v.a. aber durch seine Kriminalromane um den Vermisstenfahnder Tabor Süden, startet mit diesem Roman, in dessen Mittelpunkt der inzwischen pensionierte Der namenlose Tag Kriminalhauptkommissar Jakob Franck steht, ein neues Krimiformat. Der Vater eines Mädchens, das sich vor 20 Jahren nach allgemeiner Ansicht sowie nach polizeilichen Ermittlungen umgebracht hat, wendet sich an Jakob Franck, weil er überzeugt ist, dass seine 17-jährige Tochter Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist. Franck hatte damals der Mutter die Todesnachricht überbracht - die Mutter des Mädchens hatte sich genau nach einem Jahr ebenfalls das Leben genommen. Sein kriminalistischer Spürsinn ist geweckt. Er nimmt sich den Fall noch einmal vor, verhört alle involvierten Zeugen, überprüft alle nur erdenklichen Spuren. Eine äußerlich intakte Familie entpuppt sich alsbald als ein zunächst undurchschaubares Geflecht unverstandener Konflikte, latenter Verletzungen, schließlich von Misstrauen und gegenseitigem Hass. Dank knallharter Befragungsmethoden, aber auch wegen seines großen Einfühlungsvermögens, mit dem er geheime Widersprüche, verborgene Motive und uneingestandene Schuldgefühle freilegt, gelingt es ihm, den Fall zu lösen. Auch wenn diese Lösung etwas überraschend aus dem Hut gezaubert wird, der sorgfältig arrangierte, die Spannung geschickt forcierende Krimi zeigt Ani ein weiteres Mal als Meister des Genres.

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der namenlose Tag

Der namenlose Tag

Friedrich Ani
Suhrkamp (2015)

298 S.
fest geb.

MedienNr.: 794824
ISBN 978-3-518-42487-2
9783518424872
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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