Der Narr und seine Maschine

Zwei Männer wollen - unabhängig voneinander - ihrem bisherigen Leben entfliehen: Der eine, vor Jahren ein erfolgreicher Krimi-Autor, hat seine armselige Bleibe in einem Hotel aufgegeben und ist verschwunden, der andere, der eigentlich Der Narr und seine Maschine seinen Beruf als Detektiv aufgegeben hat und ebenfalls verschwinden wollte, ändert seinen Plan und geht gerade jetzt noch einmal auf Vermisstensuche. Für den Leser ist der Fortgang des Geschehens nicht sonderlich spannend. Denn der (allwissende) Autor erzählt abwechselnd die Vorgehensweise des Detektivs und auf der anderen Seite all das, was Cornelius Hallig, der vermisste Schriftsteller, inzwischen unternimmt. Dass es zu einer Begegnung der beiden kommen wird, ist trotz aller Verzögerungstaktik klar. - Der allerneueste, vielleicht endgültige, letzte Fall für Süden erweist sich nicht als Kriminalgeschichte, sondern als einfühlsame Studie des Lebens eines Schriftstellers, der nach seinem Erfolg ins Leere fällt, lange Zeit passiv (leidend) und auf einen Einfall wartend, dahinvegetiert und bei seinem letzten, hilflosen Sich-Aufbäumen zerbricht. Ein Buch für Leser, die sich ebenfalls existentiellen Fragen stellen, die mitfühlend mitleiden können und die vielleicht bessere Antworten auf die Herausforderungen des Lebens haben als die beiden Aussteiger.

Hardy Scharf

Hardy Scharf

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der Narr und seine Maschine

Der Narr und seine Maschine

Friedrich Ani
Suhrkamp (2018)

142 S.
fest geb.

MedienNr.: 595753
ISBN 978-3-518-42820-7
9783518428207
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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