Fünf Tage im Mai

Als Kind und Jugendliche verbrachte Illy viel Zeit in der Werkstatt ihres Urgroßvaters Tat'ka, einem der letzten Fassbinder Österreichs. Ihm vertraut sie ihre Nöte an, für die ihre Eltern, die ein Sportgeschäft betreiben, keine Fünf Tage im Mai Zeit und kein Ohr haben. Stundenlang kann Illy dem alten Mann bei der Arbeit zusehen und seinen Erklärungen lauschen. Vom Tag der Erstkommunion bis zum Begräbnis des fast 100-jährigen Urgroßvaters erzählt Elisabeth R. Hager von fünf Tagen in Illys Leben, jeweils im Mai. Sie wird sich verlieben und ihr Leben wird durch ein Unglück, für das sie sich schuldig fühlt, aus der Bahn geworfen werden. Sie entflieht der Enge ihres Tiroler Dorfs und versucht, in Deutschland und Frankreich erwachsen zu werden. Doch erst durch die Hilfe ihres lebensklugen Urgroßvaters gelingt es ihr, sich mit ihrem Schicksal zu versöhnen. - Mit Illy, die eigentlich Leonore heißt, und ihrem Urgroßvater Korbinian, dessen Kosename Tat'ka "Väterchen" bedeutet, hat Hager zwei liebenswerte, kantige Figuren geschaffen, deren Geschick man gebannt verfolgt. Ihre Sprache funkelt, ihre Bilder sind kräftig und frisch. Die Dialoge sind in leichtem Tiroler Dialekt geschrieben, was aber keine Verständnishürde darstellt, sondern dem Buch einen besonderen Charme und Authentizität verleiht. Ein hoffnungsvolles Buch über Abschied, Trauer und das Erwachsenwerden. Gerne empfohlen.

Susanne Emschermann

Susanne Emschermann

rezensiert für den Borromäusverein.

Fünf Tage im Mai

Fünf Tage im Mai

Elisabeth R. Hager
Klett-Cotta (2019)

220 S.
fest geb.

MedienNr.: 597344
ISBN 978-3-608-96264-2
9783608962642
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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