Geschichten vom lieben Gott und weitere Novellen

Der junge Rilke ist mit seiner Gedichtsammlung "Stunden-Buch" bekannt geworden. Das darin behandelte Thema der Gottsuche greifen auch die 12 Erzählungen auf, die als "Geschichten vom lieben Gott" 1900 publiziert worden sind. Adressat sind direkt oder Geschichten vom lieben Gott und weitere Novellen indirekt Kinder. Daraus erklärt sich die vielleicht gespielte Naivität des Ich-Erzählers. Wohl hat die Freiheit des Schaffens an einem Tabu-Thema, am sakrosankten Gott den Dichter gereizt. Die Gottesvorstellung ist kindlich-unreflektiert und kann heutige Leser irritieren, z.B. wenn Gott böse auf seine Hände ist. Modern mutet eher die stets thematisierte Erzählsituation an. Angeschlossen sind elf kürzere Erzählungen unter dem Titel "Am Leben hin". Diese wollen dartun, "wie das Leben ist", und zeichnen z.T. bürgerliches Verhalten kritisch mit leichtem Ton, etwa wenn ältere Menschen kurz vor ihrem Ableben geschildert werden oder ein erfrorenes Kind als "Christkind" erscheint. Man erlebt dabei den berühmten Rilke von einer den meisten unbekannten Seite. Die kurze Nachbemerkung in dieser Textausgabe ist recht allgemein formuliert; dem heutigen Leser könnte eine ausführlichere Hinführung zum Text gegeben werden. Trotzdem: Nach wie vor sehr lesenswert.

Bernhard Grabmeyer

Bernhard Grabmeyer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Geschichten vom lieben Gott und weitere Novellen

Geschichten vom lieben Gott und weitere Novellen

Rainer Maria Rilke
Marix-Verl. (2015)

173 S.
fest geb.

MedienNr.: 806777
ISBN 978-3-7374-0989-6
9783737409896
ca. 6,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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