Von Hand zu Hand

"Eine bizarre Hochzeit, ein schwuler Bräutigam, eine promiskuitive Braut und ein griechischer Chor unglücklicher Stimmen aus der (kanadischen) Oberschicht, die über Alter, Verrat und zerstörte Illusionen grübeln", so fasst James Von Hand zu Hand Polk, Cheflektor des Verlages der Originalausgabe dieses Romans, den Inhalt gekonnt zusammen. Die kanadische Autorin hat diesen Roman aus Fragmenten, kurzen Impressionen und Gedankensplittern zusammengefügt. Die Frauen, die in der Geschichte auftauchen, sind wütend, verlassen und gedemütigt. Die Braut selbst wird wegen ihrer skandalösen Vergangenheit beschimpft. Das Brautpaar trägt denselben Haarschnitt und Anzug. Der Pfarrer ist unecht, der Trauzeuge und die meisten anderen Gäste sturzbetrunken und die jeweiligen Ex- beziehungsweise aktuellen Lover sind alle gekommen. Doch für das Brautpaar ist die Hochzeit nicht das Ende, sondern der Anfang ihrer Freiheit. Eine skurrile und tragikomische Gesellschaftssatire der für ihren bitterbösen jüdischen Witz und ihre absurden Texte bekannten Autorin. Der 1973 entstandene und erst jetzt – aus Anlass des (abgesagten) Gastlandauftritts Kanadas auf der Frankfurter Buchmesse 2020 - ins Deutsche übersetzte Text in einer wunderschönen Leinenausgabe mit Goldaufdruck ist eine interessante Entdeckung für literarisch anspruchsvolle Leser.

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Von Hand zu Hand

Von Hand zu Hand

Helen Weinzweig ; aus dem kanadischen Englisch von Hans-Christian Oeser
Verlag Klaus Wagenbach (2020)

Quartbuch
153 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 957070
ISBN 978-3-8031-3328-1
9783803133281
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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