Der Muslim und die Jüdin
Anna Boros, ein 17-jähriges jüdisches Mädchen, überlebte mitten in Berlin den Nazi-Terror, weil ihr Dr. Mohammed Helmy (1901-1982) Tarnung und Unterschlupf gewährte - ein muslimischer Arzt, in Ägypten geboren und aufgewachsen, Studium und beruflicher
Werdegang in Berlin. Neben der Schilderung dieser, auch für den Arzt gefährlichen Rettungsgeschichte lenkt der Autor den Blick des Lesers auf gesellschaftspolitische Entwicklungen in der Weimarer Republik und im NS-Staat, die sich auf das Zusammenleben von muslimischen Arabern und Deutschen beziehen sowie auf Hitlers Politik gegenüber islamischen Staaten. Kenntnisreich, gestützt auf den privaten Nachlass von Dr. Helmy und Anna Gutman (Boros), Gespräche mit Angehörigen, aber auch auf Dokumente des Landesarchivs Berlin und des Archivs des Auswärtigen Amtes, zeichnet Steinke das Bild der Berliner muslimischen Gemeinde, deren Mitglieder hoch gebildet waren und deren Veranstaltungen von berühmten Zeitgenossen aller Konfessionen (u.a. Albert Einstein, Martin Buber, Thomas Mann, Hermann Hesse) besucht wurden. Für sein mutiges und beispielhaftes Verhalten wurde Helmy in Yad Vashem als einziger Araber mit der Auszeichnung "Gerechter unter den Völkern" geehrt. - Ein beeindruckendes, sehr informatives Buch, das zeigt, dass ethnische und religiöse Grenzen überwunden werden können. Für alle Bestände sehr zu empfehlen!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der Muslim und die Jüdin
Ronen Steinke
Berlin-Verl. (2017)
207 S. : Ill.
fest geb.