Warum kommen wir auf die Welt, wenn wir doch wieder sterben müssen?

„42“ ist die Antwort auf die „Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“, die der Supercomputer „Deep Thought“ in Douglas Adams Science-Fiction-Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ nach gerade mal 7,5 Millionen Jahren Warum kommen wir auf die Welt, wenn wir doch wieder sterben müssen? Rechenzeit ausspuckt. Adams wollte mit dieser verrückten Antwort die Suche des Menschen nach dem Sinn des Lebens karikieren. Doch die Frage bleibt. Die Suche nach einer Antwort hilft Menschen, sich einen Reim auf ihr Leben zu machen und die verschiedenen Episoden eines Lebens zu einem Ganzen zusammenzusetzen. Der ehemalige Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger tut das in seinem Buch anhand einer Frage, die ihm vor vielen Jahren sein damals 13-jähriger Sohn gestellt hat: „Du, Papa, warum kommen wir auf die Welt, wenn wir doch wieder sterben müssen?“ Es sei die Preisfrage seines Lebens geworden, die er sich bis heute stelle, schreibt der inzwischen 75-jährige Autor. Biesinger hat keine fertige Antwort, sondern erzählt von verschiedenen Situationen, in denen dieser Sinn aufschien. Zum Beispiel: „Bin ich auf die Welt gekommen, wenn ich doch wieder sterben muss, um Gott entgegenzuzweifeln?“ Oder: „Bin ich auf die Welt gekommen, wenn ich doch wieder sterben muss, um meine Frau kennenzulernen?“ Oder: Bin ich auf die Welt gekommen, um Gott „auszuleihen“? (Auf diese Idee ist ein Enkel Biesingers gekommen, der Kindern, die von Gott nichts wissen, seinen Gott leihen wollte.) Oder um mit Menschen Leid zu teilen? Diese Frage bewegt Biesinger in vielen Variationen, konfrontiert mit Krankheit, Sterben und Tod in der eigenen Familie genauso wie als Diakon und Notfallseelsorger. Biesingers Erzählungen zeigen, dass die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens vielleicht gerade nicht in großen philosophischen oder theologischen Gedanken liegt, sondern im Klein-Klein des Alltags, in der Nähe, die Menschen anderen Menschen schenken, im Miteinander-Leid-Aushalten. Ein anderer, wichtiger Aspekt steckt in der Frage „Bin ich auf die Welt gekommen, obwohl ich doch wieder sterben muss, um Gott ein Gegenüber zu werden“? Überraschenderweise bezieht sich Biesingers Antwort nur darauf, dass Gott der Urgrund allen Seins ist, vielleicht die Bedingung der Möglichkeit des Urknalls. Doch hinter der Frage steckt mehr: Eines von Biesingers zentralen theologischen Anliegen ist die Stiftung von Gottesbeziehungen, also Möglichkeiten zu schaffen, Menschen, Kinder schon, mit Gott in Kontakt zu bringen, sich selbst als Gottes Gegenüber zu begreifen. Biesingers Geschichten, kurz, lebensnah und oft berührend, kann man nicht ohne innere Beteiligung lesen. Ihre Lektüre führt ganz von selbst dazu, im eigenen Leben nach Antworten auf die Titel-Frage zu suchen (und dafür keine 7,5 Millionen Jahre zu brauchen): Warum sind Sie auf die Welt gekommen, wenn Sie doch sterben müssen? (Religiöses Buch des Monats August)

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Warum kommen wir auf die Welt, wenn wir doch wieder sterben müssen?

Warum kommen wir auf die Welt, wenn wir doch wieder sterben müssen?

Albert Biesinger
Patmos Verlag (2023)

110 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 616131
ISBN 978-3-8436-1468-9
9783843614689
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Auszeichnung: Religiöses Buch des Monats