Wir müssen dann fort sein

Oliver Hackert wird von seinem Vater zum dessen 75. Geburtstag eingeladen; keine Selbstverständlichkeit, hatten sich beide doch zehn Jahre nicht mehr gesehen. Beide trennen ideologische Differenzen, Verachtung, ja gegenseitiger Hass. Wir müssen dann fort sein Der Vater hatte den Jungen einst zum Dienst in der kasernierten Volkspolizei der DDR gedrängt, wo Oliver in pflichtgemäßer Erfüllung seines Dienstes einen Menschen erschossen hat - ein Trauma, das ihn nicht loslässt. Inzwischen ist Oliver Weißrusslandkorrespondent des "Berliner Tagblatts" in Minsk. Für die Zeitung will er - die Verbindungen seines Vaters zu einem in Ungnade gefallenen ehemaligen Gefolgsmann des Diktators nutzend - den weißrussischen Diktator interviewen und ihn insbesondere mit den bestialischen Morden des Regimes konfrontieren. Dass er dabei ein hohes Risiko für sich und seine Familie - seine Frau ist Weißrussin - eingeht, stürzt ihn in ein tiefes Dilemma. - Auch wenn die Details des Romans fiktiver Natur sind, so spiegeln sie dennoch die realpolitischen Hintergründe sehr plastisch. 1999 wurden die drei Hauptvertreter der Opposition liquidiert und es "besteht kein Zweifel, dass sie im Auftrag des Staates ermordet wurden" (Nachbemerkung des Autors). Der 1968 in Ost-Berlin geborene Verfasser, ehemaliger Korrespondent verschiedener Zeitungen in Peking, Warschau und Minsk, kann nicht nur authentisch erzählen, er findet auch einen ganz eigenen, einerseits erfrischend originellen, ironisch gebrochenen, aber auch tief emotionalen Stil, der den Roman zu einem bewegenden Leseerlebnis macht. Sehr zu empfehlen.

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Wir müssen dann fort sein

Wir müssen dann fort sein

Dirk Brauns
Galiani (2016)

331 S.
fest geb.

MedienNr.: 584810
ISBN 978-3-86971-120-1
9783869711201
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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