Bella mia

2009 legte ein verheerendes Erdbeben die mittelitalienische Stadt L'Aquila und umliegende Ortschaften in Schutt und Asche, 309 Bewohner wurden im Schlaf erschlagen und fast 70.000 Menschen wurden obdachlos. Bis zum heutigen Tag hausen viele Menschen Bella mia in lieblos hingeklotzten Behelfsunterkünften und warten auf den Wiederaufbau ihrer zerstörten Stadt. Das ist der reale Hintergrund dieses von der italienischen Schriftstellerin feinfühlig und völlig unaufgeregt erzählten kurzen Romans, der in ergreifender Weise Verlassenheit, Trauer, Schuldgefühle und Zorn der Hinterbliebenen schildert. Die Ich-Erzählerin Caterina versucht für den heranwachsenden Sohn ihrer verstorbenen Zwillingsschwester, der schönen, lebensfrohen Olivia, die Mutterrolle auszufüllen - lange Zeit nur unzulänglich, da Marco sich einigelt und rebelliert. Vor allem hadert er mit seinem Vater, der die Familie vor Jahren wegen einer anderen Frau verlassen hatte, weshalb Mutter und Sohn in das "Unglückshaus" der Großeltern gezogen waren. Er gibt ihm die Schuld am Tode seiner Mutter. Marcos Leben aber auch das Leben Caterinas und der Großmutter gerät zwischenzeitlich aus den Fugen. Erst am Ende des relativ handlungsarmen, aber gefühlsintensiven Romangeschehens deutet sich so etwas wie Rückkehr zur Normalität und innere Bewältigung des Schicksalsschlags an - zeitgleich mit dem einsetzenden Wiederaufbau der zerstörten Stadt. - Lesenswert! (Übers.: Maja Pflug)

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Bella mia

Bella mia

Donatella Di Pietrantonio
Kunstmann (2016)

220 S.
fest geb.

MedienNr.: 813989
ISBN 978-3-95614-091-4
9783956140914
ca. 18,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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