Kirio

Kirio spielt Flöte und liebt es, auf den Händen zu laufen. Damit ist schon viel gesagt über die Figur des unfreiwilligen Helden. Unfreiwillig oder besser "unbewusst", denn Kirio schaut mit stets schreckgeweiteten Augen Kirio in die Welt und bemerkt nichts von den Wundern, die er bewirkt. So ist es auch nicht Kirio, der seine Geschichte erzählt, sondern wechselnde Personen, beginnend mit Kirios Mutter, über seinen Lehrer bis hin zu den Gebrüdern Grimm, die das Märchenhafte, das Kirio anhängt, noch verstärken. Dirigiert und kommentiert wird das alles von einem Erzähler, der um seine eigene Identität ringt, der nicht menschlich ist und doch seinen Blick auf alles richtet, was Menschen bewegt. - Kirios Geschichte wird von der deutsch-französischen Autorin Anne Weber sprachlich brillant erzählt. Kirio ist ein Außenseiter mitten in Paris, ihm haftet etwas Kindliches an, er lebt authentisch sich selbst und bewirkt damit mehr, als ihm bewusst ist. So gewinnt er viele Bewunderer, trifft aber auch auf Missgunst und Ablehnung. Weber spielt mit den Elementen des Schelmenromans genauso wie mit kafkaesken Einflüssen, verquickt Märchenhaftes mit Biblischem und gönnt sich ein Abgleiten ins Philosophische. Vielleicht wünscht man sich mehr Leichtigkeit in der Geschichte; aber wäre dies unserer Welt angemessen? Anne Webers Bücher wurden bereits mit Preisen ausgezeichnet. "Kirio" ist nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse.

Tina Schröder

Tina Schröder

rezensiert für den Borromäusverein.

Kirio

Kirio

Anne Weber
Fischer (2017)

217 S.
fest geb.

MedienNr.: 848669
ISBN 978-3-10-397269-6
9783103972696
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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