Manchmal kriegt man einfach die Krise

Sommerferien. Diesmal besucht Jola (12) Finn (12) in Berlin und die beiden erobern die Großstadt in rasanter Kannawoniwasein-Manier: gerade noch über Mamas-Schlammbrühen-Smoothies aufgeregt, Finns Freund Carlo besucht und eine Runde Manchmal kriegt man einfach die Krise gezockt - nebenbei in drei Sätzen dessen Zustandekommen geklärt (zwei Mamas, zwei Papas, es gab keinen Sex), in ein Pietät namens "Asche und Staub" geschlendert und sich über verschiedene Möglichkeiten der Bestattung informiert (dabei auch mal in einer "Kommode" probegelegen), Finns ehemalige Nachbarin Frau Buchwald im Altenheim besucht und dann ganz fett Party gemacht. Die allerdings nicht im Altenheim mit der leicht verwirrten Rentnerin, sondern leider mit den beiden jugendlichen Fieslingen Lasse und Bosse, die bereits in Teil 2 (BP/mp 20/238) ungut aufgefallen sind. Musers Stärke ist es, dass er seinen Figuren Preteen-Sehnsüchte gestattet, aber Klartext über Gefahren und Folgen redet, ohne zu pädagogisieren. Zumal so viel an anderen abenteuerlichen Dingen passiert, dass die Partynacht da (fast) in Vergessenheit gerät. Über allem stehen ohnehin das gewitzte Zusammenspiel und die Freundschaft der beiden Hauptfiguren, die sich so wunderbar ergänzen. Große Themen wie Alter, Tod, Einsamkeit, Umzug und Abschied werden ganz nebenbei besprochen. Unterhaltsam, aber respektvoll. Stefan Kaminski liest wieder sensationell variantenreich und lässt die Figuren sofort präsent werden. Unbedingte Empfehlung!

Anna Winkler-Benders

Anna Winkler-Benders

rezensiert für den Borromäusverein.

Manchmal kriegt man einfach die Krise

Manchmal kriegt man einfach die Krise

Martin Muser ; gelesen von Stefan Kaminski
Silberfisch (2020)

Kannawoniwasein! ; [3]
2 CDs (circa 154 min)
CD

MedienNr.: 601123
ISBN 978-3-7456-0158-9
9783745601589
ca. 12,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 10
Systematik: K
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