Für seinen vielschichtigen Roman „Engel der letzten Nacht“ erhält Nils Mohl den 37. Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis. Die Jury sieht darin einen „literarischen Glücksfall“ und lobt die hohe Kunst der Komposition und Prägnanz, mit der der Autor einen Roman gestaltet, der (scheinbar)
mit dem Tod eines Jugendlichen einsetzt:
Kester hat soeben ein glänzendes Abitur abgelegt und stellt sich die Frage, was eigentlich danach kommt. Nach der Abi-Feier am Strand will er die Nacht der Nächte erleben, die für ihn die letzte Nacht sein soll. Doch er hat einen Schutzengel. Kester überlebt einen Autounfall und gelangt nach Hamburg. Von da an spielt der Roman in drei Versionen dieser einen Nacht und Kester dringt zur zentralen Frage vor, was ihn eigentlich bewegt – oder wer ihn bewegt.
Aus der Begründung der Jury:
„Im Sinne eines literarischen Glücksfalls zeigt der Roman, dass die Bedeutung von Literatur nicht in ihrer raschen Konsumierbarkeit liegt, sondern im Sinne von Papst Franziskus erst dort Wurzeln schlägt, wo ein Text in seiner Gesamtheit erschlossen wird. Wo er zu Ende gelesen werden muss, um seinen Rhythmus, seine Komposition und Dramaturgie zu erfassen – so wie auch das Leben und der Glaube nicht fragmentarisch erfasst werden können, sondern nur in der Gesamtheit der Seins- und Sinnfragen.“
So zeige sich erst vom Ende des Romans her dessen erstaunliches Gesamtbild und ermögliche auf beeindruckende Weise die Gleichzeitigkeit unterschiedlichster Lesarten. Nils Mohl verzichtet auf einfache Antworten und zeigt stattdessen den Glauben und die Lust am Leben, die Intensität, mit der gelebt und geglaubt werden kann.
Zum Autor
Nils Mohl (* 1971) lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Hamburg. Seine Bücher handeln fast alle vom Jungsein und Erwachsenwerden. Er wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, u. a. dem James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur (2024) und 2012 dem Deutschen Jugendliteraturpreis für seinen Roman „Es war einmal Indianerland“, bei dessen Kinoverfilmung er auch als Drehbuchautor beteiligt gewesen war.
Empfehlungsliste 2026
Zeitgleich mit dem Preisbuch hat die Jury wieder eine Empfehlungsliste veröffentlicht. Sie enthält 14 weitere Titel, die auf herausragende Weise Kindern und Jugendlichen wertvolle, gesellschaftlich relevante, gemeinschaftsstiftende und vor allem religiöse Themen näherbringen können. Die literarische Tiefe und die altersgerechten Illustrationen heben diese Werke hervor und ermöglichen, mit Kindern und Jugendlichen über ihren Alltag, Freundschaft, Familie, Krisen, Träume und Hoffnungen oder die Zukunft ins Gespräch zu kommen. Die ausgewählten Bücher eignen sich besonders zur Literaturvermittlung und Medienbildung in Kindergärten, Schulen, Pfarrgemeinden und Bibliotheken.
Das Lektorat des Borromäusvereins stellt im Folgenden alle Titel mit medienprofile-Rezensionen vor:
Über den Preis
Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis, der seit 1979 verliehen wird, ist mit 8.000 Euro dotiert. Der Preis wird gemäß Statut für Arbeiten in der Kinder- und Jugendliteratur verliehen, die beispielhaft und altersgemäß christliche Lebenshaltungen verdeutlichen, religiöse Erfahrungen vermitteln und Glaubenswissen erschließen. Die ausgezeichneten Werke sollen das Zusammenleben von Gemeinschaften, Religionen und Kulturen fördern. Dabei muss die transzendente und damit religiöse Dimension erkennbar sein.
Unter dem Vorsitz von Weihbischof Robert Brahm (Trier) hat die Jury 147 vorgeschlagene Bücher von 47 Verlagen gesichtet. Die Bekanntgabe des aktuellen Preisbuchs erfolgte am 4. März 2026. Die Preisverleihung findet am 7. Mai 2026 in Paderborn statt.
Der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises gehörten neben Weihbischof Brahm an: Dr. Agnes Blümer (Köln), Prof. Dr. Norbert Brieden (Wuppertal), Marlene Fritsch (Trier), Kerstin Fuchs (Wiesbaden), Bettina Kraemer (Bonn), Andrea Langenbacher (Freiburg), Dr. Heidi Lexe (Wien), Maximilian Mihatsch (München) und Prof. Dr. Markus Tomberg (Fulda).
Preisbuch 2026
Engel der letzten Nacht
Die Schulzeit ist vorbei, Kester hat als Bester seines Jahrgangs sein Abitur abgelegt. Wie soll es jetzt weitergehen? Seine Klassenkamerad:innen feiern mit einem Lagerfeuer am Strand die neugewonnene Freiheit. Für sie liegt die Zukunft verheißungsvoll
vor ihnen. Doch Kester will an diesem Abend die "Nacht der Nächte" erleben, die für ihn zwangsläufig nur die letzte Nacht seines Lebens sein kann. In drei, immer detaillierter werdenden Versionen, erzählt uns Kester von dieser Nacht. Sie führt ihn mit dem Auto seiner besten Freundin Blanka über Umwege nach Hamburg zum Bunker, einem Szene-Club, in den er jedoch nicht eingelassen wird. Hier begegnet er zum ersten Mal seinem Schutzengel Bruno. Im Folgenden trifft er immer wieder auf Menschen (oder sind es weitere Modifikationen seines Schutzengels?), die ihn durch diese Nacht begleiten und ihn zum Nachdenken bringen: die kurz vor einem Einsatz stehende Bundeswehrsoldatin Kim, die diverse Person Lenny mit den blauen Haaren, Christina, die als CEO einer Dating-Plattform gerade entlassen wurde, und zuletzt Blanka. – Ein beeindruckender, zum Nachdenken anregender, fesselnd geschriebener Roman für Jugendliche ab 14 Jahren, dem man viele Leser:innen wünscht.
Gabriele Güterbock-Rottkord
rezensiert für den Borromäusverein.
Engel der letzten Nacht
Nils Mohl
Rotfuchs (2025)
222 Seiten
fest geb.